Im Albert-Schweitzer-Kinderdorf Schwalbennest in Wolgast startet am 13.April 2007 das erste Mitmisch-Forum. Die Kinder haben viele Fotos gemacht, um die schönen wie auch die verbesserungswürdigen Seiten der Stadt Wolgast aufzuzeigen. Was gefällt an Wolgast? Die Nähe zum Wasser, das Rathaus, der Hafen, die große blaue Brücke, welche das Festland mit der Insel Usedom verbindet und das Albert-Schweitzer-Kinderdorf. Dort gefällt es den Kinderdorf-Kindern, weil sie mit den Hauseltern eine große Familie bilden.
Was finden wir an unserer Umgebung nicht gut? Direkt neben dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf brannte im Juni 2006 wohl nach Brandstiftung ein riesiger alter Speicher - ein Wahrzeichen der Stadt Wolgast - in einem nicht ungefährlichen Feuer-Inferno ab. Auch dazu Fotos: Der abgebrannte Speicher, die beschmierte Stadtmauer, die Fläche am Wasser, auf der früher ein Spielplatz war, leer stehende Häuser, Schaufenster, die nicht gestaltet sind, eine Bretterwand mitten in der Altstadt .....
Und schon entstanden die ersten Ideen. Zum Beispiel mit der Frage, was wir selbst verändern können. Schaufenster gestalten, am abgebrannten Speicher eine Schautafel errichten, mehr auf Sauberkeit achten, Papierkörbe für Hundekot, die Bretterwand in der Stadt selbst bemalen. Gleichzeitig ergaben sich aber viele Fragen an die Verantwortlichen der Stadt: Warum wird in Wolgast so wenig für die Sauberkeit getan? Warum werden Schaufenster nicht durch Kinder gestaltet? Warum liegt der Schutt vom abgebrannten Speicher nach fast einem Jahr immer noch dort? Wir haben den Brand hautnah erlebt und müssen dort täglich mehrmals vorbei! Warum ist der Parkplatz an unserem Kinderdorf bei Regen überflutet? Wir kommen mit nassen Füssen in die Schule bzw. nach Hause? Insgesamt wurden 17 Anträge formuliert.
» Zu den Anträgen im Einzelnen
Albert-Schweitzer-Kinderdorfmutter Heidrun sagte nach dem Mitmisch-Forum, „dass uns dieser Nachmittag viel Spaß bereitet hat. Als ich vor einigen Monaten das entsprechende Material bekam, hatte ich noch keine genauen Vorstellungen zu diesem Thema. Gespräche mit den Kindern folgten, die DVD zum Politbongo wurden angeschaut. Im Vorfeld gingen wir durch unsere Heimatstadt. Wir fanden schöne und weniger schöne Ecken. Alles wurde in Bildern festgehalten. Nun ging es los! Wir stellten fest, dass es nicht leicht ist etwas zu verändern. Wir wollen es versuchen und uns mit dem Thema Mitmischen macht stark auseinandersetzen. In den kommenden Wochen werden wir weitere Gedanken sammeln und gestalten."
Im Dezember 2007 lud Bürgermeister Jürgen Kanehl und die stellvertretende Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Gisela Kretschmer die Kinder des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs Schwalbennest in sein Büro ein, um über die Forderungen und Vorschläge ins Gespräch zu kommen. Dabei versuchte er den Kindern zu erklären, wie sich aus Sicht der Stadt bestimmte Themen darstellen, wie Hundekot oder dreckige Spielplätze oder der abgebrannte Speicher. Die Idee, zumindest die Schaufenster leer stehender Geschäfte in der Altstadt von Kindern des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs, Kindergärten oder Schulen gestalten zu lassen, lobte der Bürgermeister ausdrücklich. Er möchte dafür die Schaufenster von im städtischen Besitz befindlichen Gebäuden zur Verfügung stellen und bei im Privatbesitz befindlichen Immobilien an die Eigentümer herantreten.
Vom schweren Unfall an der Straße vor dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf direkt an der Bahnhaltestelle Wolgast Hafen hatte er noch nichts gehört. Er zeigte sich bestürzt und schlug vor, nicht mit einem Warnschild zu schnelle Fahrer zu bremsen, sondern mit Stolperschwellen. Nach einer Prüfung durch das Bauamt könnten diese schon im Frühjahr installiert werden.
Den Kindern hat der Besuch beim Bürgermeister gefallen und sie waren von der Atmosphäre positiv überrascht, denn ihre Vorschläge aus dem Mitmisch-Forum wurden ernst genommen, gelobt und aufgegriffen. Weitere Details zu den Patenschaften des Bürgermeisters finden sich im Protokoll Protokoll.